Kein Tagebuch

Der starrköpfige Unwillen, etwas anderes zu betrachten, als einen Geist in Deinen Farben: Er ist es, der mich immer wieder über die Schwellen trägt, wenn sonst nichts mehr hilft, wenn sonst alles fehlschlägt.

Ein Herz, zugleich eingeklemmt und vogelfrei. Das Blut rast, aber die Schönheit lindert und die Erhabenheit besänftigt. Zwischen den Gärten der Erleuchtung und den Kerkern der Schreckensherrschaft schmelzen Dutzende von Lebensberichten und Lebensgerüchten, umspielen mich in farbenreichen Strömen und fließen auf der Leinwand meiner Ohnmacht zusammen. Ein Bild entsteht und sprengt den Rahmen, sprengt das Spektrum, sprengt den Verstand so geschwind, daß ich kaum die Hände schützend vor das innere Auge legen kann.

Ich werde stiller und trete langsam zurück. Einen Blick! Nur einmal einen Blick auf das Ganze werfen zu dürfen… Zu spät:

Von den Hügeln kommt der Regen auf mich herab in tausend Rinnsalen, die sich zum Strom zusammenrotten. Er braust durch meinen Park, vorbei an meiner Terrasse und zeigt mir höhnisch, was er sich gerissen, was er Dir entrissen, was er mir zerrissen hat. In qualvoll kurzen Blitzen leuchten auf die Fragmente eines meisterlichen Werks. Doch ach! Zu wenige: Ich kann aus ihnen keinen Sinn erdichten. Und doch! Zu viele: Ich kann von ihnen nicht unberührt bleiben.

Und so ist das Eine immer zu fern, das Andere immer zu nah. So bin ich zu verarmt und doch viel zu reich. So gebe ich mich der Verzweiflung hin und bin doch stets fröhlich: Ich trage die Asche durch die Welt, und wo ich sie verstreue, dort beginnt es zu blühen.

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