Schöner sparen (I), …

… oder: Eine kurze Entstehungsgeschichte der Würzburger Residenz.

Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts war die über der Stadt thronende Festung Marienberg die Residenz der Würzburger Fürstbischöfe. Trotz vieler Erweiterungen, Umbauten und Modernisierungen erwies es sich spätestens im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts, daß diese Anlage den Ansprüchen barocker Fürsten bezüglich sowohl der Lage als auch der Bequemlichkeit nicht mehr entsprach. So kam es, daß neu gewählte Bischöfe immer wieder einmal mit dem Gedanken einer neuen Residenz spielten und sich hin und wieder lieber in ihren städtischen Domherrenhöfen als auf der Festung aufhielten.

Die Festung Marienberg in Würzburg

Es entstand so mit der Zeit eine doppelte Hofhaltung, die zu viel Geld kostete. Es waren anfangs tatsächlich Gründe der Sparsamkeit, die zum Bau einer neuen Stadtresidenz führten (damals ahnte man natürlich noch nicht, daß das Gesamtprojekt letztlich den Schönborn-Bischöfen in die Hände fallen sollte, unter denen dann besonders Lothar Franz – selbst Domherr in Würzburg – die Gelegenheit gekommen sah, der Familie das endgültige Baudenkmal errichten zu lassen). Als das Domkapitel im Jahre 1699 Johann Philipp von Greiffenclau zu Vollraths zum Bischof wählte, wurde dem neuen Fürsten in der Wahlkapitulation aufgetragen, in der Stadt einen neuen Palast zu bauen.

[Interessanter Einschub: Greiffenclau gewann gegen den von Wien favorisierten Lothar Franz von Schönborn, welchem bei seiner Wahl zum Bamberger Fürstbischof im Jahre 1693 zur Auflage gemacht worden war keine neuen Bauunternehmungen zu starten. Hätte man den vom bauwurmb befallenen Schönborn auch zum Würzburger Bischof gewählt, hätte sich der Palast-Neubau ohnehin von selbst verstanden. Andererseits fürchtete man aber eine zu gewaltige Ämteranhäufung – Lothar Franz war auch noch Kurfürst und Erzbischof von Mainz und Erzkanzler – und einen zu machtvollen Schönborn-Block in diversen Kapiteln, denen bereits einige von Schönborns Neffen angehörten.]

Auf dem Rennweg wuchs unter Greiffenclau bis 1704 nach Plänen von Petrini das sogenannte „Schlößlein“ empor. In den ersten Jahren wurde der Bau fremden Besuchern stolz präsentiert. Bald jedoch legte sich der Schleier des Vergessens über den neuen Bischofssitz, wies er doch statische Mängel und Schäden im Mauerwerk auf. Greiffenclau bezog also nicht das neue bischöfliche Palais (welches 1720 schon wieder abgerissen werden mußte, ohne jemals als Residenz gedient zu haben), sondern stieg im „Roten Bau“ ab, dem zwischen 1708 und 1712 errichteten Familienpalais am Rennweg.

Da die Residenz-Frage vorübergehend offen blieb, regte der Fürstbischof andere Bautätigkeiten in Würzburg an und stieß die Türe für barocke Freuden und glanzvolles Leben schon so weit auf, daß die Schönborn-Bischöfe schließlich in vollem Galopp hindurchpreschen konnten: Zum Nachfolger Greiffenclaus wurde 1719 sein (und Lothar Franzens) Neffe Johann Philipp Franz von Schönborn gewählt. Der neue Fürstbischof war vorzüglich erzogen und gebildet, aufgrund diverser Botschaftsanstellungen weltgewandt, und von barocker Prunkfreude ebenso angesteckt wie von großzügigem Mäcenatensinn. Und da er nun mal ein Schönborn war, bewog ihn nicht nur seine Stellung als einer der ersten geistlichen Fürsten im Reich sondern auch sein Familiensinn, in Würzburg etwas Großes zu schaffen.

Warum es nicht beim Großen blieb, sondern der Bau trotz anfänglich nicht im Übermaß vorhandener Gelder ins Atemberaubende wachsen konnte, das erfährt der geneigte Leser im zweiten Teil.

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