Wien und MCU

Ich war heute Morgen zum ersten Mal seit langer, langer, langer Zeit wieder so richtig in Wien. Bei ausgesprochen angenehmem Frühlingswetter habe ich mich drei Stunden lang zwischen Oper und Schwedenplatz, zwischen Freyung und Stadtpark herumgetrieben. Ich habe ein wenig Window Shopping gemacht, habe auf dem Hohen Markt im Freien ein kleines Frühstück zu mir genommen, habe dabei etwas gelesen und geschrieben und habe während der ganzen Zeit immer auch ein Auge auf die Leute geworfen. Es kam mir bald so vor, als seien viele der Menschen, die sich an diesem Morgen und Vormittag mit mir in die Innenstadt gewagt hatten, zögerliche Schwimmer, die erst einmal einen Zeh in das Wasser stecken, um die Temparatur zu prüfen. Wenn wir um der Argumentation willen mal die Zeit vor Corona als „normal“ bezeichnen wollen, dann war das, was ich heute in Wien gesehen habe, noch ziemlich weit vom Normalzustand entfernt. Immerhin füllen sich die Straßencafés langsam. Die natürlichen Lebensräume der Botox-Busserlria sind in diesen Tagen entweder noch nicht zugänglich oder noch nicht bevölkert. Die wenigen Exemplare, die sich hinaustrauten, wirkten außerhalb des Rudels eher verunsichert.

Ich schlenderte also so durch den Sonnenschein, und irgendwann erinnerte ich mich an die vergangenen sieben Monate, in denen ich das Glück hatte, in Wien gleich zweimal von mir besonders lieben Menschen besucht zu werden. Gleich merkte ich, was mir in diesen Wochen am meisten fehlt: Eben diese Besuche bzw. dieser Kontakt und die damit stets einhergehenden Erlebnisse. Wenn ich „Erlebnisse“ schreibe, dann meine ich keineswegs irgendwelche haarsträubenden Abenteuer. Aber selbst ein zwangloses Schlendern durch die Wiener Innenstadt, ein zweites Frühstück beim Demel oder ein Marathon durch das mumok wird mit der richtigen Begleitung zu einem unvergeßlichen Highlight.


Es kristallisiert sich langsam heraus, daß mir unter den mittlerweile 23 Marvel Cinematic Universe-Filmen auf Dauer (und nach mehrmaligem Sehen) jene am besten gefallen, die von den Kritikern nicht unbedingt allesamt geliebt wurden oder nicht immer die ganz offensichtlichen Helden zeigen oder sich manchmal anfühlen, als seien sie ein wenig losgelöst vom Rest des großen Erzählbogens. Ich liebe Ant-Man, die Guardians und auch Captain Marvel. Deal with it. Ob ich dem MCU nach dem Black Widow-Film, den ich mir natürlich noch geben werde, weiterhin treu bleiben kann, daß ist jetzt noch nicht abzuschätzen.