Schöner verbannt sein

Wenn das Schicksal irgendetwas zu vergeben hatte, dann stand der Kardinal de Bernis häufig mit erhobener Hand in der ersten Reihe und rief „Hier!“

Zu seiner reichen Biographie gehören somit auch einige Jahre der Verbannung (1758 – 1764), nachdem er am königlichen Hofe in Ungnade gefallen war. Ludwig XV gewährte dem damals frisch ernannten Kardinal immerhin die Gande, sich aus seinen diversen Abteien selbst diejenige auszusuchen, auf welche er sich zurückzuziehen gedachte. De Bernis entschloß sich zum Exil auf Schloß Vic-sur-Aisne, welches zu seiner Abtei Saint-Médard gehörte. Dort diktierte er nicht nur seiner Nichte die „Mémoires“, sondern legte auch einen Gemüsegarten an, den er gerne persönlich hegte und pflegte. Das Zipperlein hatte ihn zu fleischloser Kost gezwungen, und so kümmerte sich der Kardinal zum Teil selbst um seinen Speiseplan.

Ich habe neulich einige Postkarten vom Anfang des 20. Jahrhunderts gefunden, auf denen man nicht nur das Schloß selbst, sondern auch einige Innenräume sieht, welche zur Zeit der Aufnahmen offenbar immer noch nach ihrem berühmtesten Bewohner benannt waren. So können wir das „Cabinet du Cardinal de Bernis“ und auch das „Chambre du Cardinal de Bernis“ bestaunen. Wie viel von der Einrichtung noch aus der Zeit des Kardinals stammt, das kann man bestenfalls erahnen. Aber dennoch ist der Einblick interessant, allein schon wegen des ziemlich abgefahrenen Betts. Links oben neben diesem sieht man übrigens ein Portrait des Kardinals de Fleury, also jenes Kirchenfürsten, der dem Abbé während seiner frühen Pariser Jahre das Leben reichlich schwer gemacht hat.

Hier sind die Bilder:

Wie Ihr seht: Selbst nach meiner Neuorganisation der Arbeit an der Kardinalsbiographie geht es auf diesem Blog nicht ganz ohne de Bernis.

Ganze Arbeit, halber Abschied

Wenn ich einen Blick auf meine Hobbies werfe, dann fällt mir auf, daß „multum, non multa“ nie mein Motto war. Eher schon bin ich ein Geselle in vielen Gewerben, wenn auch in keinem ein Meister. Hier ein wenig Photographie, dort ein paar Zeilen Lyrik, hier eine Handvoll humoriger Comic-Strips, dort ein paar eigene Klänge. Angefeuert das alles durch einen etwas weniger breit gestreuten Mix aus Interessen und Leidenschaften: Geschichte (besonders die Europas), Sprache (bis hin zu der des Körpers), Kunst (nicht nur, aber besonders Barock und Rokoko), Musik (Kind der 80er), Religion (natürlich vor allem die Katholische).

Man sagt mir nach, daß ich – wenn ich will – extrem schnell lerne. Ich sage mir nach, daß ich zwar oft will, aber nie ausdauernd und nie zielgerichtet genug. Hätte ich mich auf eine meiner Spielwiesen konzentriert, so wäre ich heute möglicherweise nicht nur Pfarrer in Floridsdorf sondern auch Komponist für kleine Indie-Filme, veröffentlichter Autor oder auch ein Photograph, dessen Bilder es bis in Galerien schaffen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich trauere hier keinen Nebenverdiensten oder Lorbeeren nach. Ich habe mich in meinen kleinen Nischen eingerichtet, und all die diversen Aktivitäten bringen mir immer wieder viel Freude, und sei es nur die, daß ich selbst mit einem meiner Werke uneingeschränkt zufrieden bin.

Den Boden bereiten will ich eigentlich für diese Information: Ich werde vorerst und für lange Zeit keine weiteren Kapitel der De-Bernis-Biographie veröffentlichen. Ich habe – gefühlt zum ersten Mal in meinem Leben – ein Hobby-Projekt begonnen, das ich nicht halbärschig angehen will, sondern welches ich auf professionellst-mögliche Weise zu Ende bringen möchte. Um dieses Ziel zu erreichen, muß ich vorarbeiten. Das bedeutet konkret, daß ich mich zuerst einmal mit der französischen Sprache zumindest so weit vertraut machen muß, daß ich Texte möglichst exakt ins Deutsche übersetzen kann und nicht nur von dem lebe, was ich zur Hälfte wörtlich und zur Hälfte sinngemäß verstehe. Spätestens nach dem Sommerurlaub werde ich also mit Sprachunterricht beginnen. Dann möchte ich mein Wissen über die fragliche Zeit vertiefen, werde also nicht nur die bereits existierenden Biografien des Kardinals sondern auch das eine oder andere Geschichtsbuch erneut oder zum ersten Mal durchackern müssen.

Wenn da draußen jetzt die De-Bernis-Junkies aufjammern, weil der Stoff erst einmal ausbleibt, so gibt es diesen Trost: Wenn ich im Laufe der Arbeit über eine Anekdote stolpere, die aus irgendeinem Grund massiv mitteilenswert ist, dann werde ich die hier auch preisgeben.

Bedeutet das nun, daß dieses Blog nach nur drei Monaten bereits wieder eingestellt wird? Nö. Es wird wie bisher weitergehen, leider nur ohne unseren Abbé. Aber WENN der dann wiederkommt (und ich hoffe wirklich, daß ich es so weit schaffe), dann wahrscheinlich im Rahmen der ersten, halbamtlichen, deutschsprachigen Biografie des Kardinal de Bernis.

Also dann…

Auflösung

Das Wimmelbild aus dem Salon der Madame Geoffrin erfährt heute seine Auflösung. Hier ist zuerst noch einmal das eigentliche Werk:

Und hier ist unser Abbé de Bernis:

Klar: Wenn man die Portraits als Maßstab nimmt, die bisher auf diesem Blog zu sehen waren, dann springt der Abbé vielleicht nicht sofort ins Auge. Aber ich bin dennoch überrascht, daß die einzelnen charakteristischen Details in dieser Darstellung alle berücksichtigt wurden: Der verträumte Blick, die breite Nase, die runden, leicht rosigen Wangen und dieses seltsame, irgendwie immer sehr privat wirkende Lächeln.

Für alle Leser, die es ganz genau wissen wollen, gibt es hier noch eine nummerierte Skizze mit den Namen der Anwesenden:

Down and Out in Paris

Wir erinnern uns: Der Abbé de Bernis hatte sich am Seminar Saint-Sulpice den Ruf eines gefährlichen Freigeistes ohne echte Berufung erworben und stand nun auf der Abschußliste der Oberen.

Als François im März 1735 von einem verordneten Heimaturlaub zurückkehrte, nahm der Generalsuperieur Couturier ihn nicht – wie vereinbart und versprochen – wieder ins Haus auf, sondern wimmelte ihn mit der Ausrede ab, es seien im Moment zu viele Studenten im Haus, und der Herr Abbé möge doch bitte in acht Tagen noch einmal nachfragen. Dieses Spielchen wiederholte sich während der nächsten Wochen. Der Abbé Couturier versicherte François in dieser Zeit, daß er ihn gerne wieder aufnähme, daß aber alle anderen Mitglieder der Fakultät gegen ihn eingestellt seien. Ein Plan mußte her und wurde geschmiedet: Der junge Abbé sollte einstweilen am Collège de Bourgogne unterkommen (an welchem er auf weitere Saint-Sulpice-Flüchtlinge traf), während die Verhandlungen über seine Zukunft – also über einen Sitz in einem Kapitel oder die Verleihung einer Abtei – zügig voranschreiten sollten.

François war von seinem Heimaturlaub geheilt zurückgekehrt, denn er fürchtete dank einer gespenstischen Erscheinung im elterlichen Garten, die sich als rindenloser Baum entpuppte, nichts Übernatürliches mehr und entwickelte sich zu einem entschiedenen Gegner des Aberglaubens. Dieses Gefühl steigerte sich in den Wochen der Unsicherheit dergestalt, daß er nicht die Religion als solche abzulehnen begann, aber der gesamten, mit ihr zusammenhägenden irdischen Maschinerie mit wachsender Skepsis begegnete. Dies wurde ihm leicht gemacht, da ihm erstens die Atmosphäre in der neuen Unterkunft noch zickiger und heuchlerischer erschien und er zweitens seine erzwungene Freizeit im Theater oder in der Oper verbrachte, wo sein zugleich berstendes und doch hungerndes Poetenherz und seine alles aufsaugenden Sinne von einer Verführung in die nächste Verwirrung geworfen wurden.

Über das Collège de Bourgogne schreibt er: „Ich erfuhr in sechs Monaten so viel Dunkelheit und Falschheit, daß ich mit der Zeit alles verabscheute, was in der Welt allgemein als Mitraille [wörtlich: „Kleingeld“] bezeichet wird“

In Saint-Marcel-d’Ardèche hatte der Abbé begonnen, eines seiner bekanntesten Werke zu verfassen, den „Epître aux dieux pénates“, mit dem er seine Rückkehr in die Heimat zelebriert und wohl auch seinen eigentlichen Eintritt in das Poeten-Dasein feiert.

Protecteurs de mon toit rustique,
C’est à vous qu’aujourd’hui j’écris,
Vous qui, sous ce foyer antique,
Bravez les fastes de Paris
Et la mollesse asiatique
Des alcôves et des lambris

schreibt er, ohne den Pomp oder die Alkoven bisher jemals gesehen zu haben. Eigenartige Ironie, daß das Schicksal ihn nun in deren Arme trieb, während seine Heimat ihn fallen ließ: François drängte seinen Vater, alle möglichen Kontakte anzuzapfen, um ihm endlich ein Einkommen zu verschaffen. Zwar kam Monsieur de Bernis der Bitte des Sohnes nach, das Ergebnis jedoch ensprach überhaupt nicht den Erwartungen. Der Kardinal de Fleury fällte, nach Durchsicht aller Bittschreiben, die vom Marschall de La Fare, einem Cousin des Monsieur de Bernis, vom Kardinal de Polignac, einem weiteren, entfernten Verwandten der Familie und dem neuen Bischof von Viviers an ihn gerichtet wurden, dieses Urteil: „Ich hatte die Absicht, diesem jungen Mann eine beträchtliche Pfründe zukommen zu lassen, habe aber nach reiflicher Überlegung beschlossen, daß er, so lange ich lebe, von mir nichts erhalten soll“. Ohne Zweifel hatte der Abbé Couturier dem Kardinal, einem alten Sulpizianer, hier entscheidend zugeflüstert („Freigeist… Belletristik… Theater… Oper…“).

Der Hammer fiel kurz darauf: Der Vater entzog dem jungen Abbé die finanzielle Unterstützung, da er im Treiben des Sohnes den Grund für Schande und Ruin der Familie sah. François reagierte wie üblich ohne Groll, ohne Schmollen und mit viel Optimismus: „Man stelle sich die Situation eines Neunzehnjährigen vor, ohne Geld, ohne Rat, in einer Stadt wie Paris. Hätte ich echte Laster, sie hätten sich unter diesen Umständen ausgebildet. Aber ich faßte mir ein Herz. Ich wußte, wie ich meinen Teil zu erledigen hatte und wie ich profitieren konnte von der Widrigkeit, die eine gute Lehrerin ist“.

Sein Entschluß war schnell gefaßt: „Reduziert auf die Ressourcen meiner Seele entwarf ich meinen Plan, und dieser Plan war sehr ehrlich: Ich verschrieb mich der größtmöglichen Redlichkeit, der Geduld und der Courage. Ich sah in der Literatur eine Einkommensquelle und einen Zeitvertreib. Ich hängte die Studien an den Nagel, da meine Finanzmittel mir nicht mehr erlaubten, sie weiter zu verfolgen.“

François lebte fortan in preiswerten, möblierten Zimmern, dinierte für ein paar Groschen in ärmlichen Lokalen und verdiente sich sein Geld als Schreiber und Korrekturleser. Er fand eine Anstellung in Didots Buchhandlung „À la Bible d’or“ am Quai des Grands-Augustins. Nachts schrieb er an seinen eigenen Werken. Mit wie viel Ernst? Es läßt sich schwer sagen. Einerseits war die Dichtung für ihn – wir erinnern uns – lediglich der Stab, mit dem er die Gräben überspringen wollte, andererseits wurde er sicherlich auch bei seinem Stolz und seiner Ehre gepackt, als man ihm eines Tages sagte, er könne wahrscheinlich noch besser schreiben als Gresset, jener Dichter, der den jungen Abbé mit seinem Vert-Vert so verzaubert hatte.

François begnügte sich damit, ebenso gut zu schreiben, wie sein Vorbild: Bereits 1733 hatte er, beeinflußt von einem Gedicht des Abbé La Fare, seinen „Épître sur la paresse“ verfaßt, das früheste überlieferte Werk de Bernis‘. Als dieses ohne sein Dazutun und ohne Nennung des Autors veröffentlicht wurde, hielt man es für ein Werk Gressets, da der Fluß und die Leichtigkeit an diesen erinnerten:

Censeur de ma chère paresse
Pourquoi viens-tu me réveiller
Au sein de l’aimable mollesse
Où j’aime tant à sommeiller?
Laisse-moi, philosophe austère,
Goûter voluptueusement
Le doux plaisir de ne rien faire
Et de penser tranquillement.

Im Jahre 1736 wurde der „Epître aux dieux pénates“ veröffentlicht, erneut ohne Angabe des Autors. Auch dieses Werk wurde zuerst Gresset zugeschrieben. Es war ein allgemeiner Erfolg, und man sah sich nun genötigt, Klarheit zu schaffen: „Der mich bedeckende Schleier wurde gelüftet und mein Name flog von Mund zu Mund, war sogar Fremden bekannt, und so erweist sich, daß ein paar glückliche Verse schneller Berühmtheit bringen als ein wirklich nützliches Werk“.

Der erste Schritt in die große Welt war getan.


Teil I: Die ersten Schritte

Salonlöwenmamas

Die Salonnière war im Paris des 18. Jahrhunderts eine der wichtigsten Rollen überhaupt. Diese Damen, die in ihren Hôtels und auf ihren Châteaus das Zusammentreffen von Philosophen, Schriftstellern, Aufklärern, Schöngeistern, Enzyklopädisten etc organisierten, moderierten und überwachten, haben sich zum Teil einen Ruf erworben, der heute noch nachklingt. Neben der mindestens so berüchtigten wie berühmten Claudine Alexandrine Guérin, Marquise de Tencin (welche die Köpfe der Männer so weit verdrehen konnte, daß einer ihrer Liebhaber sich in ihrem Haus erschoß), der naturwissenschaftlich versierten Émilie du Châtelet (die es fertigbrachte, daß an ihrem Totenbett ein polnischer Ex-König, zwei ihrer Liebhaber und ihr Ehemann gemeinsam Tränen vergossen), der schönen und geistreichen Louise Marie Dupin (die fast das gesamte 18. Jahrhundert durchlebte und 1799 im Alter von 93 Jahren auf ihrem Schloß Chenonceaux verstarb) fällt besonders häufig der Name Marie Thérèse Rodet Geoffrin.

Madame Geoffrin gilt als eine der führenden Damen der Französischen Aufklärung, und ihr Salon war spätestens, nachdem sie im Jahre 1749 die Gäste der verstorbenen Madame Tencin „geerbt“ hatte, der angesagteste Ort, an dem sich auch tatsächlich alles und jeder traf: D’Alembert, Rousseau, Fontenelle, Diderot, Montesquieu, Choiseul, Gresset, Crébillon, um mal nur die Namen zu nennen, die auch heute noch den meisten Lesern bekannt sein dürften.

Und – na klar – unser Abbé de Bernis trieb sich ebenfalls in diversen französischen Salons herum, nachdem er das Seminar verlassen hatte. Dazu mehr in einem anderen Artikel. Was es heute schon gibt, das ist das Gemälde einer (fiktiven) Zusammenkunft im Salon der Madame Geoffrin: Der Schauspieler Lekain liest Voltaire, und die versammelten Lumières lauschen. Voltaire selbst ist als Büste anwesend. Aber auch unser Abbé ist mit von der Partie. Und den dürft Ihr jetzt mal suchen:

Wenn Ihr ihn nicht finden könnt, keine Bange: Die Auflösung gibt’s in den nächsten Tagen.

Berufen zu…

Wir verließen unseren Herrn Abbé zu dem Zeitpunkt, an dem die Luft im Seminar für ihn dünn wurde. Nach einem Jahr mystischer Eskapaden und Exzesse hatte der junge Seminarist sich – es wird wohl im Frühjahr 1732 gewesen sein – dem Direktor La Fosse anvertraut. Es ist nicht auszuschließen, daß François in diesen Gesprächen nicht nur ein wenig zu vertrauensvoll und naiv von seinen religiösen Praktiken berichtete, sondern gleichzeitig auch zu viel von seinem leidenschaftlichen Herzen, seiner fröhliche Seele und seinem hungernden Verstand offenbarte. La Fosse bat François um schriftlich festgehaltene Vorsätze und warf ihm diese nach Erhalt und Lektüre mit einer kühlen Abfuhr vor die Füße.

Es begann eine anderthalb- bis zweijährige Leidenszeit, in welcher François mehr oder weniger gute Miene zum bösen Spiel machte und sich der grauen Monotonie und den skeptischen Oberen mit eiserner Disziplin unterwarf. Oberflächlich schien alles in bester Ordnung: Bei den anderen Seminaristen war der junge Abbé beliebt, und die Professoren zollten seinen guten Leistungen Respekt, indem sie ihn hier und da Klassen unterrichten ließen, wenn ein Lehrer krankheitsbedingt ausfiel. Während dieser Zeit ließ man François ein wenig zappeln und hoffen, daß die Beziehungen seiner Familie zum Kardinal de Fleury ihm eines Tages einen Bischofssitz oder eine Abtei einbringen werden.

Gleichzeitig hatte de Bernis‘ Vorliebe für die Belles-Lettres und die Offenheit, mit der er die mangelnde Vielfalt der Ausbildung in Saint-Sulpice kritisierte, ihm den Ruf eines unabhängigen, ja gefährlichen Geistes verschafft. In dieser Zeit fiel de Bernis Gressets Gedicht Vert-Vert in die Hände und verzauberte ihn über alle Maßen. Gresset, mit dem François sich am Collège Louis-le-Grand fast die Klinke in die Hand gegeben hatte, erzählt in diesem Gedicht die Geschichte eines von Nonnen der Heimsuchung Mariens aufgezogenen Papageis namens Vert-Vert, der allerlei fromme Sprüche aufzusagen weiß. Er wird an einen anderen Konvent ausgeliehen, um dort die Nonnen zu begeistern. Auf dem Weg gerät er allerdings in schlechte Gesellschaft und entsetzt daher nach seiner Ankunft seine Gastgeberinnen mit derart wüsten Ausdrücken, daß diese, tausend Kreuzzeichen machend, zuerst die Flucht ergreifen und Vert-Vert dann empört zu den Visitantinnen zurückschicken, wo er Reue tut und letztlich, vollgestopft mit Süßigkeiten und Likör, seinen Geist aushaucht. François, so heißt es, war weniger von den Frivolitäten und Zweideutigkeiten des Textes begeister als vom Charme und von der Leichtigkeit der Sprache. Auch war das Gedicht ihm eine Warnung (oder hätte es sein sollen), wurde doch der Verfasser aufgrund dieses und anderer Werke aus dem Jesuitenorden ausgeschlossen.

François aber erfreute sich erst einmal nur am Werk und hoffte vielleicht – sich an seine ersten eigenen Verse und das dafür erhaltene Lob erinnernd – zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal, daß die Dichterei „der Stab ist, mit dem ich die Gräben überspringe“, wie er es formuliert. Die Oberen des Seminars waren sich zu diesem Zeitpunkt jedenfalls sicher, daß man einen solchen Geist nicht so ohne weiteres als Bischofskandidaten aufbauen durfte. Dies waren auch die Wochen, in denen von François zum ersten Mal als Mann „ohne Berufung“ gesprochen wurde, um die Abschußrampe zu ölen.

Der Abbé Couturier wollte François nur zu gerne loswerden, wußte aber auch, daß dessen Vater ein alter Freund des mächtigen Kardinals de Fleury war, bei welchem Couturier nicht anecken wollte, da er dessen Vertrauen genoß und für ihn die Kandidaten für die Bischofssitze und Abteien auswählen durfte. Daher entwarf Couturier einen Plan der Zermürbung. Als er François eines Tages einen dreimonatigen Heimaturlaub empfahl, damit er die Wogen in seiner Abwesenheit glätten konnte, roch der junge Abbé die Falle, wußte sich ihr aber nicht zu entziehen. Couturier versprach, François nach seiner Rückkehr sofort wieder ins Seminar aufzunehmen und schrieb jubelnde Briefe sowohl an seinen Vater als auch an seinen Bischof.

Zwischen diesem Rat und François Ankunft in Saint-Marcel-d’Ardeche verging eine gewisse Zeit. Ich konnte bisher nicht herausfinden, wie viele Monate es genau waren. Hier spricht ein Biograph von einem ganzen Jahr, dort vermutet ein anderer vier Monate. De Bernis selbst begnügt sich in seinen Memoiren mit einem knappen Absatz: „Ich hatte das Seminar kaum verlassen, als ich von der Versuchung ergriffen wurde, das Theater zu besuchen und ihr nachgab. Die Französische Komödie erweichte mein Herz, die Oper verführte meine Sinne. Es erwuchs in mir eine solche Leidenschaft für dieserlei Aufführungen, daß das größte in meinem Leben gemachte Opfer war, diese irgendwann aufzugeben. Der häufige Besuch dieser Veranstaltungen bewirkte in mir einen Aufruhr der Ideen und Gefühle, aus dem ich schloß, daß sie für junge Leute stets gefährlich sein müssen.“

Die Phantasie des Lesers darf nun Amok laufen. Wo wohnte der Abbé in dieser Zeit? Wie viele Wochen trieb er sich mit welchen Leuten an welchen Orten der Hauptstadt herum? Was genau geschah im Zuschauerraum und vielleicht gar hinter den Kulissen? Erkannte er in irgendeinem Theater, daß er seine Freiheit erst einmal an einem solchen Ort finden mußte, der seinen Sinnen, seiner Vorstellungskraft, seiner Kreativität und nicht zuletzt seiner Leidenschaft mehr zu bieten hatte, als die erhabenen Mysterien, die in Saint-Sulpice gelehrt wurden? Lernte er während irgendeiner Aufführung, daß es einen Weg zur Glückseligkeit gibt, der hinsichtlich der materiellen Entsagung anfangs steinig ist, aber einfach hinsichtlich der Anforderungen an seine Fähigkeiten? Nahm er in irgeneiner Garderobe seinen ersten Kuß als Erwachsener entgegen? Fand am Ende in diesen Wochen ein Austausch der Berufungen statt, der ihn erst einmal zum Dichter, Salonliebling, Pompadour-Vertrauten und Diplomaten machen sollte, bevor er sich mit Ernst auf die geistliche Laufbahn wagte? Er weiß es. Aber er gibt es nicht preis.

Eine Anekdote aus diesen Wochen ist in einem der Briefe des Kardinals überliefert: Er und der mit ihm geschaßte Kumpel Antoine de Malvin de Montazet, später Erzbischof von Lyon, besaßen zusammen nur ein anständiges Paar schwarzer Hosen, welches sie so teilten, daß derjenige, der in diesen Pariser Wochen der unerwarteten aber willkommenen Freiheit die erlesenere Gesellschaft aufsuchte, die Beinkleider tragen durfte.

Im Dezember 1734 kam François in Saint-Marcel-d’Ardeche an. Er verliert nur wenige Zeilen über seine Familie und gesteht dem Leser, daß er plötzlich am Umgang mit Frauen Gefallen fand, weil diese seinem Verstand und seinem Äußeren Komplimente machten, was seinem Stolz schmeichelte, aber auch Fragen aufwarf: „Ich mußte nach Saint-Sulpice zurückkehren. Diese Überlegung hielt mein Herz, das eigentlich zum Ausbruch bereit war, im Zaum. Ich verbrachte drei Monate im Kampf zwischen Unschuld und Leidenschaft“.

Vielleicht erinnert sich der geneigte Leser, daß François in seinen Memoiren bereits erwähnte, in den ersten 20 Jahren seines Lebens aufgrund diverser Ammenmärchen aus seiner Kindheit die Toten mehr gefürchtet zu haben als die Lebenden. Der Wendepunkt kam während der drei Monate, die er daheim verbrachte. Als er eines Nachts keinen Schlaf fand, ging er bei hellem Mondschein auf einer Terrasse spazieren und sah in den Garten hinab. Dort erblickte er eine bleiche, verschleierte Gestalt, die an einem Baum lehnte. Er erschrak und stellte fest, daß die Gestalt umso größer schien, je genauer er hinsah. Er verlangte zu wissen, mit wem er es zu tun hatte. Das störrische Schweigen der Erscheinung brachte keine Erleichterung. Es mußte eine Entscheidung getroffen werden: „Ich beschloß, die Wahrheit herauszufinden oder umzukommen. Ich ging zurück in mein Zimmer, um ein Gewehr zu holen, immer noch glaubend, ich hätte einen Geist hinter mir. Ich kehrte mit meiner Waffe zurück auf den Balkon. Sie gab mir Vertrauen, denn ich fand die Figur um einige Fuß geschrumpft an der gleichen Stelle, wo ich sie gesehen hatte, als die Furcht mich ergriff. Ich rief der Erscheinung mehrere Male zu und drohte, sie zu erschießen. Keine Antwort. Dann legte ich das Ende des Laufes meines Gewehrs auf das Geländer auf, weil meine Hände zitterten, zielte lange und gab einen Schuß ab, der in den Baum hinter der Erscheinung einschlug. Diese war ungerührt. Dann, ergriffen von einer Mischnug aus Raserei und Furcht und entschlossen, das Abenteuer zu seinem Ende zu bringen, durchquerte ich das ganze, dunkle Schloß. Ich ging hinab in den Garten. Ich sah den vermeintlichen Geist und ging auf ihn zu, mit zu Berge stehendem Haar und angespannten Muskeln. Ich war nur vier Schritte entfernt, als ich ihn sehr klar erkennen konnte. Ich sprang auf ihn zu und umarmte den Baum. Die Erscheinung verschwand. Ich sah keinen Geist mehr. Meine Sinne beruhigten sich. Ich erkannte, daß der Baum keine Rinde mehr hatte und verrottet war. Das Mondlicht hatte ihn getroffen und die weiße Erscheinung produziert, zu der meine Phantasie dann alles andere beitrug. In diesem Abenteuer steckt ebensoviel Mut wie Feigheit. Aber hätte ich den Geist nicht studiert, hätte ich vielleicht für den Rest meines Lebens kindischen Schauermärchen geglaubt“.

Im März des Jahres 1735 kehrte der nun fast zwanzigjährige Abbé zurück nach Paris. Da dieser Text bereits ziemlich lang ist, gibt es den Showdown in Saint-Sulpice erst im nächsten Kapitel.


Teil I: Die ersten Schritte

Teil VII: Down and Out in Paris

Die Wolken ziehen auf

Bevor wir mit François in das Seminar Saint-Sulpice umziehen lauschen wir noch dem Paukenschlag, mit welchem er sein Gastspiel bei den Jesuiten beendete. Als Klassenbester wurde er gebeten, im großen Refektorium in Anwesenheit der gelehrtesten Köpfe des Ordens eine lateinische Rede zu halten. Der junge Abbé versuchte zu beweisen, daß die Rhetorik über der Philosophie steht, und er tat dies – wie die Rhetorik-Studenten einstimmig fanden – mit nicht geringem Erfolg. Natürlich gab es sofort heftigen Widerspruch seitens der Philosophen, denen eine Gegenrede erlaubt wurde. François wollte nun seinerseites antworten, aber der Rektor unterbrach ihn, eine Eskalation fürchtend. Diese Furcht war nicht unberechtigt, kühlten sich die erhitzten Köpfe doch erst ab, nachdem man den Disput an einen anderen Ort verlegt hatte und dort nicht nur Worte sondern auch Fäuste sprechen ließ.

Man darf nun nicht folgern, daß de Bernis der Philosophie feindselig gegenüberstand. Zu groß war sein Wissensdurst und zu interessant waren die in der Bibliothek der Jesuiten aufbewahrten Schätze. Die Beredsamkeit verteidigte der Abbé, weil es seinen Fähigkeiten und seinem Charakter entsprach: Er verfaßte seit seiner Kindheit Verse, und er war stets auf der Suche nach Freundschaft. Freundschaft aber beginnt nicht zuletzt mit Verführung, und Verführung ohne Sprache ist nicht von Dauer. In diesen Pariser Jahren, in denen er wenig (und manchmal nichts) besaß, gab die Beredsamkeit ihm Selbstvertrauen und Macht und bereitete ihn – ohne daß er dies zu diesem Zeitpunkt bereits ahnen konnte – auf seine späteren Aufgaben als Diplomat vor.

Bevor François – dem Plan des Kardinal de Fleury folgend – die Jesuiten verließ, mästete er sich nochmals zwei Monate lang in deren Bibliothek, nachdem er gewarnt wurde, daß jene von Saint-Sulpice nur Theologie, Kirchenväter und Kirchenrecht zu bieten hatte und daß das Knackigste, was man dort vorfinden konnte, die ein oder andere Konvertitengeschichte war. Er tat dies nicht nur mit der egoistischen Habsucht des Wissensdurstigen: „Mit dem Reichtum [des Wissens] wächst die Gier. Der Geizhals behält seine Schätze. Der wirklich Neugierige sammelt, um weiterzugeben“.

Gut gelaunt, voller Dankbarkeit und begleitet von den besten Wünschen seiner Lehrer und Kameraden verließ François also die Jesuiten. In den zwei Jahren, die er dort verbringen durfte, hatte er viel gelernt, nicht zuletzt wegen der Offenheit, die an dieser Schule herrschte.

Eine ganz andere Atmosphäre erwartete ihn in Saint-Sulpice. Dort trat der Sechzehnjährige im Oktober des Jahres 1731 ein. Der Abbé Le Porée hatte ihm noch den Rat mitgegeben, die Schärfe seines Geistes nicht zu sehr aufscheinen zu lassen, seine eigenen Interessen zu dämpfen und den Oberen gegenüber gehorsam zu sein. So betrat de Bernis das Seminar mit dem festen Vorhaben, sich der dort herrschenden Disziplin zu unterwerfen. Doch bald merkte er, daß sich Umgangston und Manieren dort sehr von allem unterschieden, was er bei den Jesuiten erlebt hatte: „Diese Gesellschaft von Priestern täuschte die größte Einfachheit vor und dazu einen Umgangston der Nächstenliebe, der nicht immer von einer großen Offenheit des Herzens begleitet wurde“.

Was genau beim ersten Treffen zwischen dem jungen Abbé und dem Generalsuperior Couturier schiefgelaufen ist, das geben die Memoiren de Bernis‘ nicht her. Ich sehe vor meinem inneren Auge, beieinflußt von den Beschreibungen der Bernis-Biographen, das Aufeinanderprallen zweier Welten: Auf der einen Seite der Superior, ein wenig zu grau, ein wenig zu asketisch, ein wenig zu routiniert, ein wenig zu verhärmt, vielleicht auch ein wenig zu sehr von Verantwortung und Sorgen niedergehalten. Auf der anderen Seite der Abbé, viel zu rosig, viel zu fröhlich, viel zu offen, viel zu vertrauensvoll und sicherlich auch mit viel zu vielen Erwartungen vollgestopft. De Bernis besaß eine Angewohnheit, die einerseits sympathisch, andererseits unklug war: Er begegnete anderen Menschen in der Regel wie Gleichgestellten, dies mit einer Selbstverständlichkeit, die sicherlich in geringer gestellten Zeitgenossen Respekt hervorrief, bei seinen Oberen aber eher für Verstimmung sorgen konnte.

Was auch immer bei diesem ersten Treffen geschah: François berichtet dem Leser in der Folge nicht etwa von seinen Studienerfolgen (die sich ohnehin wie gewohnt einstellten), sondern von einem Abgleiten ins Mystische, welches er in einem aufschlußreichen Abschnitt nüchtern und treffend analysiert: „Ich wurde von einer außergewöhnlich starken Frömmigkeit und Hingebe ergriffen, die sich im Laufe eines Jahres von Tag zu Tag steigerte. Diese Inbrunst verdankte, wie ich zugebe, einen großen Teil ihres Feuers meinem Alter und der Lebhaftigkeit meiner Leidenschaften. Meine Hingabe war sehr ehrgeizig, sie verschmähte gewöhnliche Praktiken und hielt sich an all das, was in den Biographien der Heiligen als erhaben und streng aufleuchtete. Meine langen Wachen, meine Gebete, meine Abstinenz, die permanente Zurückhaltung meines Geistes entzündeten mein Blut auf eine Art, die für meine Gesundheit gefährlich wurde. Es fehlte nicht viel, und ich wäre in das fromme Delirium mancher Mystiker gefallen. Ich kam Visionen und Ekstasen sehr nah. Ich fühlte beim Beten in der Herzgegend eine Hitze, die fast unerträglich war. Ich hielt dieses innere Feuer für das der göttlichen Liebe und hoffte, daß ich eines Tages verzehrt sterben und mein Herz in Asche verwandelt würde. Die Lebendigkeit meiner Vorstellungskraft und die Leere meines Herzens, das lieben mußte, hatten mit diesen frommen Exzessen viel zu tun. Ich empfehle jungen Menschen solche Praktiken nicht. Das Auspeitschen, von dem in Gemeinschaften häufig Gebrauch gemacht wird, scheint mir ebenso unanständig wie zweideutig. Man darf bezweifeln, daß diese Art von Strenge die Leidenschaften zähmt und nicht weckt.“

Der Direktor des Seminars, ein Monsieur De La Fosse, bemerkte schließlich, daß mit François etwas nicht stimmte, riet von weiteren frommen Übungen ab und bat den jungen Abbé, seine Vorsätze schriftlich festzuhalten, um diese dann zu prüfen. François, angetrieben von seiner fruchtbaren Phantasie, überreichte einige Zeit später nicht ein paar Blätter, sondern einen Band. Zwei Wochen dauerte es, bis de Bernis zum Direktor zitiert wurde. Dieser warf ihm sein Werk vor die Füße und bemerkte: „Auf der ersten Seite habe ich vier Fehler entdeckt“.

Diese kalten Worte waren mehr als eine erste Warnung. Sie waren im Grunde bereits das Signal, daß François‘ Tage im Seminar gezählt waren. Was aber rechtfertigte diese Abfuhr? Wie immer hatte unser junger Abbé sich auf seine alte Routine verlassen: Fix an die Spitze aller Klassen zu klettern, um sich dann privaten Interessen hinzugeben: Er verschlang alles, was er an Belletristik in die Finger kriegen konnte. Dies blieb nicht lange unbemerkt, und es brachte François den Ruf eines Schön- und (schlimmer noch) Freigeistes ein. Es war bereits durch seine Ehrlichkeit aufgefallen und ebenso dadurch, daß er sich nicht scheute, Mißstände anzusprechen. Man gebe jetzt noch sein vollkommen ungraues Äußeres und sein sprudelndes, geistreiches und selbständiges Wesen hinzu, und fertig ist der Todfeind aller Oberen, die in kurzer Zeit Individuen zu normgerechten Bischofskandidaten zurechtklopfen müssen.

Der Generalsuperior Couturier war nebenher auch noch, ausgestattet mit dem vollen Vertrauen des allmächtigen Kardinal de Fleury, für die Bischofsempfehlungen zuständig. Er befürchtete, daß François, einmal auf dem Bischofsthrone sitzend, sich als nicht fügsam genug erweisen könnte. Er wußte aber auch, daß Francois‘ Vater und Fleury alte Jugendfreunde waren. Und so entwickelte er einen Plan, unseren Abbé loszuwerden, ohne beim Kardinal an Kredit zu verlieren.

Welche Überraschungen, Abenteuer und Enttäuschungen nun auf François warten, das erfährt der geneigte Leser im nächsten Kapitel.


Teil I: Die ersten Schritte

Teil VI: Berufen zu…

Klerikaler Schönheitswettbewerb

Die Übersetzungsarbeit läuft momentan auf vollen Touren. Ich krame grade aus vier Biographien die Informationen für das nächste Kapitel zusammen, um die Ausbeute dann zu einem Text zu verdichten, der alles enthält, was hinein muß, und der dennoch den Rahmen eines Kapitels nicht sprengt. Es ist also noch ein wenig Geduld angesagt.

Den geschätzten Lesern, die dem Leben des Kardinal de Bernis in meiner Übersetzung, Interpretation und Vorstellung bis hierhin gefolgt sind, biete ich heute eine kleine Portraitrutsche.

Einleitend sei dies erwähnt: In einem älteren Beitrag war zu lesen, daß der Marquis d’Argenson den Kardinal Armand Gaston Maximilien de Rohan (1674-1749) für „den schönsten Kardinal der Welt“ hielt. Und es war tatsächlich auch dieser Kardinal, und nicht – wie in manchen historischen Romanen und postrevolutionären Darstellungen machmal fälschlicherweise behauptet – der Halsbandkardinal Louis René Édouard de Rohan, den die Damenwelt mit dem Spitznamen „La belle éminence“ versah. Ludwig der Fünfzehnte sagte nun, während er 1758 dem frisch ernannten Kardinal de Bernis das Birett aufsetzte: „Ich habe noch nie einen so schönen Kardinal gemacht“.

Ich lasse erst einmal die Bilder für sich sprechen. Heute gibt es Stiche und Radierungen, in einem zweiten Beitrag zeige ich irgendwann noch ein paar gemalte Portraits.

Zuerst zwei ungewöhnliche Darstellungen, nämlich das einzige Profilportrait, das ich bisher finden konnte, und ein 39-jähriger de Bernis in der Domherrenmozzetta aus dem Jahre 1744 (dem Jahr, in dem er Mitglied der Académie Française wurde):

Der Abbé als Kardinal – mit großzügigem Doppelkinn, stolzer Nase, schöner Stirne
und sinnlich geschwungenen Lippen – scheint hier nicht genau zu wissen, was er
von der Gesamtsituation eigentlich halten soll.
Der Abbé als Domherr, noch ein wenig unverbrauchter, verliebt-verträumt mit Bambiaugen und Kußmund in die Ferne schmachtend. Das dürfte eine posthume Darstellung sein, vielleicht eine Buchillustration.

Es folgt eine Serie von vier relativ ähnlichen Darstellungen im Oval, aus denen der geneigte Leser sich ein Gesamtbild schaffen möge:

Bei der breiten Nase, den schön geschwungenen Augenbrauen und den irgendwie immer kurz vor einem Lächeln stehenden Lippen scheinen sich alle einig gewesen zu sein.

Zum Schluß ein weiteres posthumes Portrait aus einem Buch, bei dem die Phantasie des Illustrators eine Rolle gespielt haben dürfte. Diese Kulleraugen, diese Schmachtlippen und diese Wangen, die selbst in der einfarbigen Darstellung rot glühen…

Ludwig der Fünfzehnte war – wie gesagt – hingerissen, und ich schließe mich dem an. Das ist schon barockes Prälatentum auf allerhöchstem Niveau. Nicht nur üppig, sondern auch wirklich angenehm anzuschauen und – zumindest für mich – keineswegs unsympathisch.

Von der Provinz in die Hauptstadt

Wir verließen unseren frischgebackenen Abbé, nachdem dessen Vater vom Kardinal de Fleury, einem Jugendfreund, das schriftliche Versprechen bekommen hatte, seinen beiden Söhnen den Weg nach Paris und in eine anständige Ausbildung zu ebnen.

Wir sind nun Zaungäste des Abschieds an einem Sommertag im Jahre 1729. Die schluchzenden Damen der Familie (und des Haushalts – die weiblichen Angestellten weinten ihrem Wonneproppen sicherlich die eine oder andere Träne nach) mußten auf Anordnung des Familienoberhauptes an der Türschwelle verharren. Papa de Bernis begleitete François und Philippe zur Kutsche, welche die Buben zuerst nach Montélimar und von dort nach Lyon bringen sollte, von wo es schließlich in einer der dreimal wöchentlich abfahrenden Postkutschen nach Paris gehen sollte.

Die Abschiedsworte des Vaters hat der Vierzehnjährige nicht vergessen. Er gibt sie in seinen circa 30 Jahre später verfaßten Memoiren so wieder: „Mein Sohn, Du ziehst in eine Gegend, in der ich lange gelebt habe und in der ich Dir noch nicht vollkommen unnütz sein werde. Ich traf dort viele Gleichgestellte und eine große Anzahl von Höhergestellten. Sieh zu, daß erstere dich lieben, und mache dich niemals mit letzteren vertraut: Lerne, sie zu respektieren, aber sei niemals selbstzufrieden. Lerne, zu gehorchen, aber vergiß nicht, daß du nicht dazu auserkoren bist, irgendjemandes Diener zu sein. Wenn die Gottesfurcht dich nicht vom Umgang mit Frauen fernhält, so fürchte wenigstens um deine Gesundheit“.

An diesen Ratschlägen knabbernd nahm François den Abschiedskuß des äußerlich vollkommen ungerührten Vaters entgegen und machte sich mit seinem Bruder auf die Reise. Daß diese Tour die eine oder andere Unannehmlichkeit mit sich brachte, das ist nicht in den Memoiren selbst überliefert, sondern wird nur in jenen Biographien erwähnt, welche schamlos die Tatsache ausschlachten, daß die Geschichtsschreibung unseren Abbé traditionell für lange Zeit als ein Wesen zu betrachten schien, welches man getrost auf der ganz dünnen Grenze zwischen historischer Genauigkeit und ausschweifender Phantasie balancieren lassen kann (Danke, Casanova!). Hier müßte also auch ich jetzt mit der einen oder anderen historisch nicht gesicherten Räuberpistole aufwarten, aber ich spare mir meine Ausschmückungen für die Augenblicke auf, die mir geeigneter erscheinen, oder, um der Wahrheit die Ehre zu geben, die für meinen Schweiß und mein Herzklopfen auch einen lohnenden Ertrag abwerfen.

Ergo, knurrende Mitreisende hin, abzockende Herbergsväter her: François und Philippe verließen die einzige Welt, die sie bis dahin kannten, und machten sich auf die Reise. Einige Tage später erreichten sie Paris, verbrachten einen Nacht in einer Herberge in der Nähe des Place des Victoires und nahmen am nächsten Morgen tränenreich Abschied. Philippe zog weiter nach Versailles, François machte sich auf den Weg über die Pont Neuf zum Jesuitenkolleg. Es ist unmöglich, sich an dieser Stelle nicht unseren kleinen Protagonisten vor das innere Auge zu holen, um ihn auf seinen ersten Schritten durch die Hauptstadt zu begleiten. Sein hungriger Verstand, seine hungrigen Sinne, seine hungrige Neugierde: Selten zuvor werden sie sich so vollgefuttert haben, wie in den ersten Minuten in Paris. Das Vorbeirauschen der Menschen, das Geschrei der Händler, der Duft der Marktstände, das Klappern der Hufen, das Rasseln der beschlagenen Räder, die Auslagen der Drucker und Graveure, die Werkstätten der Handwerker und Künstler: Die gesamte Geschäftigkeit einer riesigen Stadt drosch auf unseren guten Abbé ein, und es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, wie er sich förmlich losreißen und aufrappeln mußte, um endlich den Weg ins Kolleg zu finden.

Dort wartete auch schon der Dämpfer, der François aus den Träumen zurückholte in den Arbeitsmodus: Der Präfekt der Schule versagte dem Abbé den Eintritt in die Tertia und die Rhetorikklasse, weil er der Meinung war, daß eine in der Provinz genossene Ausbildung den Pariser Ansprüchen nicht standhalten könne und er darüberhinaus noch nie einen aus dem Languedoc dahergelaufener Neu-Abbé getroffen hatte, der am Kolleg Louis-le-Grand nicht erst einmal seine Studien auffrischen, wenn nicht gar wiederholen mußte, um mithalten zu können (bischöfliche Empfehlungsbriefe hin, „Ich war aber überall Klassenbester!“ her). Als sich dann noch der ein oder andere Mitschüler über seinen languedokischen Akzent lustig machte, verschwand François für zwei Monate im Studier-Limbo, um erstens akzentfrei sprechend wieder aufzutauchen und zweitens den Präfekten so nachhaltig zu überzeugen, daß er sofort in die gewünschte Klasse aufgenommen wurde. Diese und andere Erfolge überblickend urteilt der Kardinal in seinen Memoiren: „Wenn die Selbstachtung die Wurzel aller Laster sein sollte, so ist sie dennoch auch der Stachel, der die Tugenden hervorbringt“.

Er war zwar nicht sofort der Klassenbeste, aber – wir kennen seine Methode ja bereits – nach weiteren drei Monaten des strengen Studierens war auch dieses Ziel erreicht: „Ich konnte wieder auf meinen Lorbeeren einschlafen, um mich hin und wieder zu erheben, wenn ein Kamerad meinen Platz einzunehmen drohte“.

François spricht mit sehr viel Achtung, ja Bewunderung von den drei Lehrern, die ihn am meisten prägten. Der Abbé Porée kannte die Klassiker und auch die modernere Literatur. Er liebte das Theater und erwies sich selbst als großartiger Schauspieler. Er war streng zu sich selbst, nachgiebig gegenüber seinen Studenten und wurde allgemein von den Schülern geliebt und respektiert. Der Abbé La Sante besaß viel Phantasie, eine blumige Sprache und einen humorvollen, manchmal gar albernen Geist. Er wurde ebenfalls geliebt, aber nicht gefürchtet. In seiner Stube trafen sich die Studenten oft nach einem Urlaub bei der Familie und genossen die mitgebrachten regionalen Spezialitäten, wobei das fröhliche Beisammensein an guten Abenden bis in die Morgenstunden dauern konnte. Der Abbé Tournemine schließlich besaß oberflächliches aber dafür weit gestreutes Wissen und versuchte, von seiner mit allen möglichen und unmöglichen Wissenschaftlern, Poeten und Philosophen vollgestopften Stube aus, die ganze Welt zu konvertieren.

François‘ guter Ruf führte bald dazu, daß ihm die Aufsicht über jene Studenten übertragen wurde, die an freien Tagen nicht das Kolleg verlassen durften oder konnten. Er erfüllte, wie er selbst schreibt, diese Aufgabe, ohne den Respekt seiner Lehrer oder die Freundschaft seiner Mitschüler zu verlieren.

An dieser Stelle sei eine weitere Eigenschaft des jungen Abbé erwähnt: Wenn er sich in einer neuen Situation wiederfand, begann er sofort, nach Freunden zu suchen und auch Freunde zu finden. Er erzwang die Freundschaften nicht, noch weniger erkaufte oder erschlich er sie. Er verließ sich lediglich auf seinen Charakter, seine fröhliche Natur, sein früh entwickltes Ehrgefühl und seine tadellosen Manieren (und vielleicht auch ein wenig auf sein entwaffnendes, durch keinen Laune des Schicksals zu entmachtendes Lächeln und sein bei den meisten Menschen Zustimmung wenn nicht gar Zuneigung hervorrufendes Äußeres). Es mag in den jungen Jahren eine Art Instinkt gewesen sein, der sich später, als er zu einer klaren Maxime geworden war, als durchaus hilfreich erwies.

Damit ich die geneigte Leserschaft nicht überhitze, beende ich an dieser Stelle das Kapitel. Beim nächsten Mal begleiten wir den jungen Abbé in das Seminar Saint-Sulpice und hinein in die erste große Krise, die er als Student zu überstehen hatte.


Teil I: Die ersten Schritte

Teil V: Die Wolken ziehen auf

Ein Austausch von Kreuzen

Nach mehreren mißglückten Versuchen der Erziehung durch Hauslehrer, entschloß sich Papa de Bernis, seine beiden Söhne auf ein Internat zu schicken.

Bevor wir François folgen, kurz ein Wort zu seinen Schwestern: Françoise-Helene (*1700) und Gabrielle (*1706) teilten das Schicksal vieler Adelstöchter dieser Zeit: Sie wurden zum Klosterleben bestimmt. Gabrielle, von der wir sonst nicht viel wissen, hatte ihren ganz eigenen Kopf: Sie widersetzte sich den Wünschen des Vaters exakt so lange, bis dieser das Insistieren einstellte. Dann nahm sie den Schleier und zog fortan als gyrovage Ursuline von Haus zu Haus: Mal war hier das Wasser klarer, mal war dort die Luft vorzuziehen, und überhaupt… Es ist nicht auszuschließen, daß sie ab 1758 die „eminente“ Position des jüngeren Bruders ausnutzte, um Kritik an ihrer Klosterhüpferei klein zu halten. Françoise-Helene, die Älteste unter den vier Geschwistern, war von der Natur mit so viel Anmut, Charme und Witz ausgestattet, daß sie 1728 ohne Mitgift an einen verwitweten Marquis verheiratet werden konnte, der sich beim ersten Anblick unsterblich und Hals über Kopf in sie verliebt hatte. Sie wird eine wichtige Person im Leben des Kardinals bleiben.

Zurück zu François: Er wurde 1725 zusammen mit Philippe auf das Barnabitenkolleg im nahegelegenen Bourg-Saint-Andéol, Residenzstadt der Bischöfe von Viviers, geschickt. Das Kolleg übernahm die „weltliche“ Bildung der lokalen Seminaristen. Dort fanden sich viele Söhne bürgerlicher und armer Familien, was manchen adligen Eltern ein Dorn im Auge gewesen sein mag, Papa de Bernis aber nicht scherte, da er der Meinung war, daß seinen Söhnen der Kontakt mit der „realen“ Welt mehr Nutzen als Schaden bringt.

François absolvierte auf dem Kolleg die Sexta, Quinta und Quarta und verfeinerte dort sein System. Da er die lateinische Sprache im alter von zehn Jahren bereits beherrschte und in allen anderen Fächern sofort mit allem gebotenen Fleiß loslegte, konnte er sich bald wieder als Klassenerster der Betrachtung der Natur und den Bildern seiner Phantasie überlassen, so lange, bis irgendwo ein Konkurrent zu nahe kam. Dann hieß es zurück zu den Büchern, um den alten Abstand herzustellen.

Papa de Bernis hatte seinem Sohn das Malteserkreuz in Aussicht gestellt, und das war François zu diesem Zeitpunkt seines Lebens sehr recht. Er war weder ein Raufbold noch kriegslüstern, aber er sah sich als Bub doch eher hoch zu Roß auf dem Schlachtfeld, denn als Generalvikar in einer Schreibstube: „Ich wurde dazu auserkoren, ein Malteserritter zu werden. Der Militärberuf, dem ich mich seit der Wiege verschrieben hatte, hatte meine Neigung dem Kriegswesen zugewendet. Diese Vorliebe meiner Kindheit ist nicht komplett ausradiert: Ich habe in meiner Vorstellung oft Ansichten bezüglich des Kriegswesens, und ich habe es hin und wieder bereut, daß es nicht mehr modern ist, einen Kardinal an die Spitze eines Heeres zu stellen.“

Als der Vater gestand, daß die finanzielle Situation der Familie das Entrichten der Passage für den Eintritt in den Malteserorden nicht zuließ, wird dies im ersten Moment ein gewaltiger Schock für François gewesen sein. Aber hier zeigt sich auch zum ersten Mal eine ausgesprochen angenehme Eigenschaft des Knaben, die er im Laufe seines Lebens nicht verlieren sollte: Wann immer er irgendwo auf Granit biß, scheiterte oder enttäuscht wurde, beklagte er sich nicht, führte er kein Drama auf, hegte er keinen Groll, suchte er keinen Schuldigen. Stattdessen nahm er das Steuer in die Hand und peilte sein nächstes Ziel an. Im konkreten Fall bedeutete dies ein simples Austauschen der Kreuze: „Als ich eines Tages meinem Vater schrieb und nicht mehr wußte, womit ich die Seiten noch füllen sollte, erwähnte ich, daß ich nun, da ich keine Aussicht mehr auf das Malteserkreuz hatte, dieses gegen das bischöfliche Brustkreuz einzutauschen gedachte. Ich tat offiziell meine Berufung zum Klerikerstand kund“.

Damit er sich die ganze Geschichte auch gut überlegen konnte, wurde François für einen Monat in das kleine Seminar in Bourg-Saint-Andéol gesteckt. Er „behauptete, seine Überlegungen wohl gemacht zu haben“ und ging am 30. Oktober 1727 mit Eltern, Bruder und Schwestern nach Viviers, um in der dortigen Kathedrale die Tonsur zu empfangen. Es ist – soweit ich das im Moment überblicken kann; seine Memoiren geben jedenfalls an dieser Stelle nichts her – nicht überliefert, was der kleine François empfand, als er die Straßen zur Kathedrale hochstapfte, durch das Kirchenschiff dem Altar entgegenschritt und endlich vor dem Bischof kniete. Aber ich bin mir sicher, daß sich jeder Augenblick seinem für alle Sinneseindrücke hochempfindlichen Kopf und seiner Poetenseele eingeprägt hat und daß er sich – im Alter von nur zwölf Jahren – wohl weniger Gedanken um die Religion machte, sondern mit großen Augen auf die bischöflichen Insignien blickte und den Tausch des Pferdesattels gegen den Bischofsthron insgesamt letztlich doch für angemessen hielt. Irgendwo im Hinterkopf jedoch nahm er sich auch fest vor, Gott – den er ehrlich und innig liebte – zu dienen.

Zwei Einschränkungen brachte der neue Stand mit sich: François durfte sich fortan nicht duellieren und sich nicht auf Bällen herumtreiben. Tatsächlich erwischt man ihn während seines gesamten Lebens auch niemals beim Tanz oder beim Duell. Weiterhin brachte die neue Situation mit sich das Chorgebet, die tägliche Messe und – bei offiziellen Anlässen – die Anrede „Abbé“. François schlüpfte in den Klerikerstand, wie der Fuß in den Pantoffel. Er setzte in der Quarta seine Studien mit solchem Erfolg fort, daß die Oberen den Vater praktisch anflehten, dem Jungen eine glänzendere Zukunft zu eröffnen als jene, die er in Viviers erwarten durfte. Der Kardinal schreibt dazu in seinen Memoiren: „Wäre ich in der Provinz geblieben, wäre ich als Großvikar von Viviers alt geworden; strahlend in der Diözese, dem Rest der Welt unbekannt“.

Papa de Bernis zögerte aus zwei Gründen: Erstens widerstrebte es seinem Charakter, an hohen Thronen um kleine Gefallen zu bitten. Zweitens betrachtete er François wie einen kleinen Schatz, von dem er nicht wußte, ob er ihn jetzt schon aus der Truhe holen sollte. Endlich schrieb er dann an einen alten Jugendfreund: André-Hercule de Fleury, seit kurzem Kardinal, allmächtiger erster Minister Ludwig XV und verantwortlich für die Vergabe der wirklich interessanten Posten innerhalb der Kirche. Der Kardinal erinnerte sich noch gut an Joachim de Bernis. Auf der Pagenschule hatte ihre Situation als nicht übermaßig materiell ausgestattete Söhne des Languedoc gegenseitige Sympathien entwickeln lassen. Nun antwortete er schriftlich, daß er sich gerne für die beiden Söhne einsetzen wolle. Philippe wurde auf die Pagenschule des Marstalls in Versailles geschickt, während François seine Studien auf der Jesuitenschule Louis-le-Grand in Paris beenden sollte, um danach in das Seminar Saint-Sulpice, die Krabbelstube der späteren französischen Bischöfe, zu wechseln.

Mit dem Umzug des kleinen Abbé nach Paris nimmt seine Geschichte so richtig Fahrt auf. Davon mehr in den nächsten Episoden.


Teil I: Die ersten Schritte

Teil IV: Von der Provinz in die Hauptstadt