Wein statt Wasser

Der Verduner Altar hat seinen Namen nicht von der Stadt, sondern von dem Künstler, der diesen bedeutenden Schatz des Stiftes Klosterneuburg in zehnjähriger Arbeit fertigstellte: Nikolaus von Verdun (*ca 1135, + nach 1205).

Der Klosterneuburger Altar ist das einzige Werk, welches den Namen des Künstlers trägt. Zugeschrieben werden ihm noch der Dreikönigsschrein im Kölner Dom und der Marienschrein in Notre-Dame in Tournai.

Das inhaltliche Programm des Altars ist überaus lehrreich und fesselnd. Es vergleicht in drei Reihen die heilsgeschichtlichen Zeitalter ante legem (vor dem Gesetz: von Adam bis Mose), sub lege (unter dem Gesetz: von Mose bis Christus) und sub gratia (seit der Elösung durch Christus) in Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament.

Der Altar war nicht immer Altar, sondern diente zuerst als Kanzelverkleidung in der romanischen Stiftskirche. Eine Katastrophe führte zur Umwidmung: Im Jahre 1330 stand das Stift in Flammen. Das Löschwasser war bereits ausgegangen, aber man war ja im Stift Klosterneuburg. Der Verduner Altar wurde gerettet, indem man ihn mit weingetränkten Tüchern schützte. Im Rahmen des Wiederaufbaus ließ Propst Stefan von Sierndorf die Kanzelverkleidung zu einem Flügelaltar umbauen, wobei die 45 Emailplatten um sechs ergänzt wurden, damit man die Flügel auch schließen konnte. Man erkennt, daß die neuen Tafeln Nikolaus von Verdun kopieren wollen. Man erkennt aber auch, wer der Meister war.

Der Altar befindet sich heute in der Leopoldikapelle des Stiftes.