Schöner sparen (III), …

… oder: Eine kurze Entstehungsgeschichte der Würzburger Residenz.

Wir verließen im zweiten Teil die Stadt Würzburg und die in ihrer Mitte heranwachsende Residenz zu dem Zeitpunkt, als Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn im Alter von nur 51 Jahren soeben überraschend verstorben war.

Zum Nachfolger des am Ende seiner Amtszeit nicht mehr besonders beliebten Schönborn wurde Christoph Franz von Hutten gewählt, der Anführer der Schönborn-Opposition im Domkapitel. Der neue Bischof ließ nun die Arbeit an der Residenz erst einmal ruhen. Erstens wollte er ein wenig sparsamer regieren als sein Vorgänger, zweitens hatte er durchaus verstanden, daß es sich bei dem Bau im Grunde um ein Familienprojekt handelte. Ob er bereits ahnte, daß die Leitung des Fürstbistums bald wieder in den Händen der weitverzweigten Schönborn-Familie liegen würde? Balthasar Neumann wurde die Leitung des Baus entzogen, sicherlich, um ihn für andere Aufträge einzusetzen, denn der neue Bischof war dem Architekten keineswegs feindlich gesinnt, beförderte ihn sogar zum Major.

An der Residenz wurde lediglich der bereits begonnene Nordflügel überdacht, um den Bau bezugsfertig zu machen. Hutten bewohnte in dieser Zeit den benachbarten Rosenbachpalais und verstarb nach nur fünf Regierungsjahren am 25. März 1729, ziemlich genau zu der Zeit, als die Arbeiten am Nordflügel ihrem Ende entgegengingen.

Und so wurde das Jahr 1729 sowohl für die Familie Schönborn als auch für die Würzburger Residenz zu einem Jahr von großer Bedeutung. Denn bereits im Jänner war in Mainz Familienchef und Kurfürst Lothar Franz im Alter von 74 Jahren gestorben. Lothar Franzens Lieblingsneffe Friedrich Karl war in Bamberg schon seit 1710 Koadjutor mit dem Recht auf Nachfolge und erhielt nun – nachdem es 1719 und 1724 nicht funktioniert hatte – auch den Würzburger Bischofssitz dazu. So erwies sich die Prophezeiung des Onkels als wahr. Dieser hatte 1718 im Marmorsaal seines Schlosses zu Pommersfelden das Portrait Friedrich Karls begutachtet und dem Neffen darauf schriftlich mitgeteilt, daß es trefflich ähnlich sei „und siehet aus, als wenn er schon Bischof zu Bamberg und Würzburg wäre!“

Ebenfalls im Jahre 1729 bestieg ein vierter Neffe des Lothar Franz einen bischöflichen Thron: Franz Georg wurde Kurfürst und Erzbischof von Mainz. Wohl nie zuvor war der generalstabsmäßige Angriff einer Familie auf die geistlichen Fürstentümer des Heiligen Römischen Reiches von solchem Erfolg gekrönt worden.

Friedrich Karl hielt sich nach seiner Wahl nur kurz in seinen neuen Fürstentümern auf, da ihn seine Stellung als Reichsvizekanzler noch einmal für zwei Jahre nach Wien rief. 1731 kehrte er endgültig nach Franken zurück und bezog die Residenz. Diese war bei der Wahl des Bischofs erst zu einem Fünftel vollendet. Auf einer getuschten Federzeichnung kann man den Zustand der Residenz in diesem Jahr betrachten. Zu sehen ist der Einzug des Bischofs. Der bereits fertiggestellte Nordflügel ist mit einem gewaltigen Schaugerüst dekoriert. Der Südflügel befindet sich im Bau. Die Verbindung durch den Mittelbau ist noch nicht in Angriff genommen worden.

Die Würzburger Residenz im Jahre 1731

Friedrich Karl war selbst nicht ganz unschuldig daran, daß der Würzburger Bischofsbau ins Große getrieben wurde, hatte er doch zusammen mit dem sicherlich noch hartnäckigeren Oheim Lothar Franz diesen Gedanken heftig unterstützt. Nun, da er selbst Bischof und somit für die Vollendung des Baus verantwortlich war, gestand er, daß dieser doch nach einer „allzu großen Idee“ begonnen worden war. Als waschechter Schönborn nahm er aber die Herausforderung an.

Der Fürstbischof bezieht seinen Wiener Hausarchitekten Johann Lucas von Hildebrandt mit ein, ohne aber Neumann zu entmachten. Die Pläne für den weiteren Bau stammen aus dem Büro Hildebrandts, aber die Bauleitung bleibt bei Neumann. Dieser kann ab 1741 sein wahres Genie unter Beweis stellen. Ihm verdanken wir die Kaisertreppe und auch das stützenlose Treppenhaus mit seinem Gewölbe, das eine Spannweite von 19 Metern aufweist. Im Jahre 1744 ist der gesamte Bau überdacht und fertig eingewölbt.

Der Bischof und seine Baumeister (vlnr):
Balthasar Neumann, Friedrich Karl von Schönborn, Johann Lucas von Hildebrandt

Unter Friedrich Karl von Schönborn beginnt ab 1735 auch die Ausstattungsgeschichte der Residenz. Diese ist vor allem deswegen interessant, weil der Fürst sich künstlerisch überhaupt nicht an Paris orientiert (ein Vorwurf, den seinem Vorgänger Hutten gemacht wurde), sondern die Hofkunst Wiens zum Maßstab macht und daher auch einen großen Teil seines Wiener Künstlerstabes an den Würzburger Hof mitnimmt. Es arbeiten fortan unter anderem der bereits erwähnte Johann Lucas von Hildebrandt als leitender Planer, der schon betagte Hofmaler Johann Rudolf Byss, von dem Fresken und Entwürfe für Gobelins stammen, der Stuckateur Giuseppe Antonio Bossi, der nicht nur aber vor allem im Weißen Saal ein schon fast unanständig friemeliges Monument Würzburger Rokoko-Herrlichkeit entstehen ließ, sowie der Bildhauer Wolfgang van der Auwera, der für die Plastiken der Portalfront und der Innenräume verantwortlich ist.

Als Friedrich Karl von Schönborn am 26. Juli 1746 in Würzburg stirbt, ist die Residenz fast vollendet. Lediglich Vestibül, Treppenhaus und Kaisersaal warten noch auf den vollständigen Ausbau.

Warum mit der Wahl des neuen Bischofs dann doch noch einmal kurz Furcht vor Stillstand aufkam, das erfährt der geneigte Leser im nächsten Kapitel.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s