Der Schutzpatron des Fluchens

Ihr erinnert Euch noch an Papst Benedikt XIV?! Gut.

Über den möchte ich heute noch ein wenig schreiben. Denn er hatte eine Eigenschaft, die einigen Leuten die Haare zu Berge stehen lassen wird, die ich aber eigentlich nicht unentzückend finde: Er konnte fluchen, daß der Putz bröckelte, und er tat dies nicht nur privat, sondern hin und wieder auch mal bei Audienzen.

Zum Aufwärmen ein paar Informationen zu Papst Benedikt XIV.: Er wurde als Prospero Lorenzo Lambertini 1675 in Bologna geboren. Er studierte in Rom, wurde Doktor beider Rechte und arbeitete ab 1701 an der Kurie. 1727 wurde er zum Erzbiscof von Ancona ernannt, ein Jahr später zum Kardinal erhoben und 1731 schließlich Erzbischof seiner Heimtstadt. Das Konklave im Jahre 1740 verließ er eher überraschend als Papst. Die Kardinäle hatten bereits sechs Monate lang Purpurschach gespielt, als irgendwer Lambertini als Kompromißkandidaten vorschlug. Dieser antwortete: „Wenn Ihr einen Heiligen wollt, wählt Gotti. Wenn Ihr einen Politiker wollt, wählt Aldovrandi. Wenn Ihr einen Einfaltspinsel wollt, wählt mich“. Lambertini nahm die Wahl dann auch an, unter anderem, weil er es einfach leid war, im Konklave rumzuhängen.

Benedikt XIV, Büste von Pietro Bracci

Er galt bereits während seiner Jahre in Bologna als sehr gebildet, vielseitig interessiert, leutselig, den Wissenschaften und Künsten zugeneigt und grundsätzlich eher geliebt als gefürchtet. Und so machte er als Papst dann auch weiter, wenn uns die Geschichtsschreibung nicht hinters Licht führt.

Aber nun zum würzigen Teil dieses Beitrages: Der Vorliebe Lambertinis für ganz und gar nicht hofkompatible Sprache. Daß Benedikt XIV diese Vorliebe hatte, das habe ich schon vor vielen Jahren irgendwo gelesen. Ich fand nur nirgends irgendwelche überlieferten Beispiele. Ich konnte nun endlich einen italienischen Artikel aufspüren, der mit ein paar hübschen Anekdoten aufwartet.

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Eines nachts gegen 23:00 Uhr erschien ein höchst konsternierter Monsignore vor der Schlafzimmertüre des Papstes und ließ sich von den Dienern nicht abwimmeln. Es handele sich immerhin um eine Angelegenheit, die das Schicksal der ganzen Kirche betrifft! Also weckte man den Heiligen Vater. Der rieb sich erst einmal den Schlaf aus den Augen, musterte den aufgeregten Monsignore, lauschte eine Weile dessen Gestammel und forderte ihn schließlich auf, endlich zur Sache zu kommen.

„Euer Heiligkeit! In diesem und jenem Kloster wurde eine schwangere Nonne entdeckt!“

„Scheiße! Wenn man Dich zittern sieht, könnte man meinen, es sei ein Mönch, der schwanger geworden ist! Und dafür weckst Du mich auf? Können wir bitte morgen darüber sprechen? Auch wenn ich der Papst bin, so vermag ich dennoch nicht, den Zustand einer schwangeren Frau zu ändern. Schwirr ab!“


Ende des 17. Jahrhunderts, als Lambertini noch Anwalt war, war er Teil einer Untersuchungskommission, die herausfinden sollte, was es mit dem Wunder auf sich hatte, das aus einem Kloster in Rom berichtet wurde: Eine bereits im Ruf der Heiligkeit stehende Nonne hatte ihr Fasten so perfektioniert, daß sie überhaupt nicht mehr aß und dennoch bei bester Gesundheit war. Schon vor dem Beginn der Befragung wurde Lambertini nahegelegt, nicht zu sprechen, da man seinen Hang zu Witzen und derben Ausdrücken kannte. Irgendwann hielt er es dann aber nicht mehr aus und bat, nur eine einzige Frage stellen zu dürfen. Man gestattete es.

„Wie ist Euer Stuhlgang, Ehrwürden?“

„Bestens!“

„Verarsch mich nicht! Wo nichts reingeht, kommt auch nichts raus!“

Und tatsächlich erwies sich die ganze Geschichte bald als eine Theateraufführung der Schwestern, die Ruhm und somit Geld für das Kloster klarmachen wollten.


Nach seiner Wahl zum Papst legte man Benedikt XIV nahe, vielleicht ein wenig auf seine Ausdrucksweise zu achten. Diese war immer noch äußerst farbenfroh. Vor allem das „Scheiße!/Fuck!“ konnte (oder wollte) er sich einfach nicht abgewöhnen. So instruierte er seinen treuen Kammerdiener Boccapaduli, ihm am Rock zu zupfen, wenn ihm ein übler Ausdruck rausrutschte. Eines frühen Morgens eilten Diener in das Gemacht des Papstes und berichteten von einem Feuer, welches im Monti-Viertel ausgebrochen war.

„Scheiße! Gibt’s Tote?“

**zupf**

Die Diener berichteten, daß es ernst sei und sparten nicht mit Details der dramatischen Ereignisse.

„Scheiße! Waaaaaaaas? Fuck! Oh nein! Schaaaaaaaiße! Echt? Kacke! FU-HUCK!“

**zupf… zupfzupfzupf… zippeti-zupf… reiß… fledder… zerr… zupfzupfzupfzupf…**

„Scheiße, Boccapaduli! Du klemmst mir die Eier ab! FUCK! FUCK! FUCK! Ich möchte dieses Wort heilig sprechen! Vollkommener Ablaß für alle, die es täglich wenigstens zehn Mal sagen!“

Seit diesem Tag wurde an der Soutane des Papstes nicht mehr gezupft.


Hier ein hübsches Gemälde von Panini: Papst Benedikt XIV empfängt Carlos III von Spanien, damals noch von Neapel und Sizilien, im Kaffehaus des Quirinal-Palastes.

Dieses Bild bringt mich vor allem deswegen zum Schmunzeln, weil ich mir vorstelle, was die anwesenden Kardinäle und Prälaten so denken mögen: ‚Hoffentlich gibt niemand dem Heiligen Vater Anlaß zur Aufregung! Bitte! Keine Schimpfwörter, keine Gefluche! Gibt es nicht irgendwo eine Version des Zeremoniells, die ohne Reden auskommt?

Okay, so viel zu einem meiner definitiven Lieblingspäpste.

Ein Kommentar zu „Der Schutzpatron des Fluchens

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