Drei Soutanen

Zwischen 1848 und 1871 starben von vier Pariser Erzbischöfen drei eines gewaltsamen Todes. Denis Auguste Affre (*1793) war Theologieprofessor am Seminar Saint-Sulpice in Paris und Generalvikar in Luçon und Amiens, bevor er 1840 Zum Erzbischof von Paris ernannt wurde. Während des Juniaufstandes im Jahre 1848 erklomm Affre am 25. dieses Monats mit einem grünen Zweig in der Hand die Barrikaden, um zwischen den aufständischen Arbeitern und den von Louis-Eugène Cavaignc befehligten Einheiten der Nationalgarde zu vermitteln. Er hatte nur wenige Worte gesprochen, als sich irgendwo ein Schuß löste, irgendwer „Verrat!“ rief und die Aufständischen auf die Soldaten feuerten. Der Erzbischof sank getroffen zu Boden. Manche sprechen von einem Querschläger, andere behaupten, er wurde von gezielt von Regierungskräften niedergestreckt, weil er die Februarrevolution unterstützt hatte. Affre wurden in das erzbischöfliche Palais gebracht, wo er zwei Tage später verstarb.

vlnr: Die Pariser Erzbischöfe Affre, Sibour, Darboy

Sein Nachfolger im Amt wurde Marie-Dominique-Auguste Sibour (*1792). Er war Bischof von Digne, bevor er 1848 nach Paris berufen wurde. Er schrieb in einem Brief an Papst Pius IX, daß er die Verkündigung des Dogmas von der Unbefleckten Empängnis für „inopportun“ halte. Er veröffentlichte das Dogma nach der Promulgation jedoch feierlich in seiner Diözese. In Paris lebte zu dieser Zeit ein Priester namens Jean-Louis Verger, der sich bereits einen Namen als Querulant gemacht hatte. Er war ein entschiedener Gegner des Dogmas und machte gegen dieses in diversen Pamphleten ebenso Stimmung wie gegen den priesterlichen Zölibat. Der Erzbischof verbot ihm weitere Veröfffentlichungen und bezahle dies mit dem Leben: Am 3. Januar 1857 wurde Sibour in der Kirche St. Etienne du Mont nach einer Messe von Verger mit einem Messerstich ins Herz getötet.

Auf Sibour folgte mit François-Nicholas-Madeleine Morlot (1795-1862) der einzige zischen 1840 und 1871 regierende Pariser Erzbischof, der eines natürlichen Todes starb.

Im Januar 1863 wurde Georges Darboy von Nancy nach Paris berufen. Unmittelbar nach seiner Rückkehr vom Ersten Vatikanischen Konzil brach der Krieg mit Preußen aus. Darboy blieb nicht nur während des Krieges auf seinem Posten, sondern er weigerte sich auch, die Flucht zu ergreifen, nachdem die Kommune in Paris triumphiert hatte. Im April 1871 wurde er zusammen mit anderen Priestern von den Communarden verhaftet. Man wollte die geistlichen Gefangenen gegen den von der Versailler Regierung gehaltenen Louis Auguste Blanqui austauschen. Als die Versailler Armee jedoch vorrückte, wurde Darboy am 24 Mai 1871 zusammen mit anderen prominenten Geiseln hingerichtet. Der Erzbischof starb, so wird es überliefert, mit Worte der Vergebung auf den Lippen.

Erstaunlich ist, daß die Soutanen der drei Erzbischöfe erhalten und der Nachwelt auf einem Photo überliefert sind:

vlnr: Die Soutanen der Erzbischöfe Sibour, Darboy und Affre

Schaurig…

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