„Stüfchen, Eminenz!“…

… oder: Warum das Internet doch nicht so übel ist.

Vor einigen Wochen nahm ich wieder einmal den Dienst diverser Bildsuchmaschinen in Anspruch, um Nachschub für meine Sammlung von Prälaten-Szenen zu finden. Ins Auge sprang sofort dieses Gemälde:

Rámon Tusquets y Maignon, „Después del Oficio del Pontificado“ (?), (1888)

Geschaffen wurde es von Ramón Tusquets y Maignon, einem 1834 in Barcelona geborenen Kaufmannssohn, den es nach dem Tod des Vaters nach Italien und zur Malerei zog. Die erste Version dieses Bildes, die ich online fand, kam noch ohne Titel daher. Also bemühte ich die Suchmaschine erneut, dieses Mal mit dem Namen des Künstlers. Schnell fand ich den englischen Titel „Venice, the patriarch in Capa Magna leaving San Giovanni e Paolo“. Das kam mir ein wenig unspanisch bzw unitalienisch vor. Und es klang zudem wegen der in diesem Genre absolut unüblichen Nennung der Cappa Magna im Gemäldetitel schwer nach Trad-Bait.

Der nächste Titel, den ich aufspüren konnte, lautete “Auszug eines Kardinals aus San Zanipolo in Venedig”. Deutsch klang zwar immer noch nich ganz korrekt. Aber der Titel gefiel mir trotzdem schon ein wenig besser, weil er immerhin das hübsche venezianische Schmelzwort „Zanipolo“ (= Giovanni e Paolo) enthielt. Die Patrone dieser Dominikanerkirche sind zwei römische Märtyrer aus der Zeit Konstantins des Großen.

Schließlich versuchte ich es dann mit dem ganz offensichtlichen Weg und schaute mir den Wiki-Eintrag zu Tusquets y Maignon an. Und dort steht geschrieben, daß eines seiner Werke den Titel „Después del Oficio del Pontificado“ (nach dem Pontifikalamt) trägt und im Jahre 1888 gemalt wurde. Jedoch findet man diesen Titel bei einer Google-Suche tatsächlich nur acht Mal und nur im Zusammenhang mit besagtem Wiki-Artikel.

Das war mir dann aber letztlich wumpe. Denn der Titel paßt natürlich hervorragend zur dargestellten Szene, bei der mir drei Dinge besonders auffielen: Erstens mußte ich, als ich das Bild sah, sofort an eine zumindest im Rheinland einigermaßen bekannte Andekdotensammlung denken, welche den schönen Titel „Stüfchen, Eminenz!“ trägt. Zweitens ist die Fassade der Kirche modifiziert, um noch ein wenig Himmel mit ins Bild zu bekommen. Drittens scheint das Werk für einen spanischen Auftraggeber oder zumindest für den spanischen Markt angefertigt worden zu sein. Denn die Art, wie der Kleriker rechts des hellblau gekleideten Mädchens sein schwarzes Ferraiolo über den Unterarm geschlungen trägt, ist mir so nur von spanischen Photos bekannt. Zweitens ist Blau als liturgische Farbe auch ein Phänomen, das ich zuerst mit Spanien in Verbindung bringe. Nun handelt es sich bei den blauen Klerikerkleidern streng genommen nicht um liturgische Gewänder, sondern um eine Chorherren-Cappa und eine Mozzetta, aber ich lasse meinen Eindruck dennoch mal so stehen.

Und warum ist nun also das Internet doch nicht so übel? Weil es mir erstens nach sehr kurzer Suche dieses Werk präsentierte und ich zweitens mit relativ geringem Aufwand einiges über den Künstler und das Werk in Erfahrung bringen konnte (die Kirche kannte ich vorher schon ganz gut, weil sie mir im Rahmen einer größeren Recherche mehrmals über den Weg lief).

Frühling in Quarantäne

Vorgeschichte: Ostern 2004 besuchte ich zum ersten Mal das Stift Klosterneuburg. Noch während ich dort war, faßte ich den Entschluß, mein Leben grundsätzlich zu ändern und um Aufnahme in das Noviziat zu bitten. Durch diese Entscheidung bestärkt, im Geiste irgendwie verjüngt, im Herzen erfreut, kehrte ich zurück in die Heimat und summte oder sang während der gesamten Osterzeit auf Düsseldorfs sonnenwarmen, frühlingsfarbenen, straßencafelärmenden Straßen immer und immer wieder das Lied „Freu dich, du Himmelskönigin“, und zwar nicht in dieser New-Orleans-Trauermarschcombo-Geschwindigkeit, mit der manche Organisten es kleinzuhalten versuchen, sondern eher in einem Tempo, das an die Toy Dolls erinnerte. Mir ging’s einfach gut, und da mußte dieses Stück jetzt halt mitziehen. Frühling ist spätestens nach dieser Erfahrung für mich die Zeit, in der das Jahr sich entscheidet, ob es für den Rest seiner Zeit lebt oder siecht.

Eigentlicher Beitrag: Irgendwann in der Fastenzeit kommen auch die Tage, an denen das Jahr den Winterschlaf abwirft. Die Luft wird wärmer, blumiger, duftiger, voller. Die Vögel sind zurück und geben dies fleißg schon am frühen Morgen kund. Die Sonne steht zuerst mit mir auf und erhebt sich bald schon, wenn ich noch liege. Die Welt hat genug vom braun-grauen Winterpelz und hüpft in ein lebendig-farbenfrohes Kleid. All dies habe ich auch in diesem Jahr genau so erfahren.

Angesteckt von dieser Demonstration des Lebenswillens werfen in diesen Tagen, spätestens aber zu Ostern, auch die ersten Cafés in Wien ihre Tische und Stühle vor die Türe, um die Gäste zu empfangen, die sich nun leichter kleiden, heller, freier und mit für Wiener Verhältnisse freundlich-erfreuenden Mienen das erste Viertel, den ersten Verlängerten, das erste Villacher im Freien zu sich nehmen. Auf diesen doch immer zum Frühling gehörenden Anblick muß ich in diesem Jahr verzichten. Und ich stelle fest, daß mir dieses simple, kleine Detail eines großen, ganzen Jahres nicht nur fehlt, sondern mich auch mit Bauchweh in Richtung Sommer blicken läßt.

Hebe Dich hinweg, Schurkenvirus!

Ein letzter Versuch

Da ich mich seuchenflüchtig nicht mit einer Unterhaltungsgesellschaft auf einen Landsitz bei Florenz zurückziehen kann, vertreibe ich mir die Zeit der Abschottung mit einem letzten Versuch der Netzbewässerung.

Was wird geboten werden? Bleibt dabei, dann findet Ihr es heraus. Es wird selbstverständlich alles très Alipius. Erwartet nicht zu viel. Und seid nicht überrascht, wenn es mehr gibt.

Wir werden (uns) sehen…